VBC HOW
 

Fotoquelle: Stefan Lorenz

, Werlen Diego

HOW 2 krönt sich zum Meister

VBC Fully 2 - VBC HOW 2

Freitagabend, 20:45 Uhr, irgendwo tief im Unterwallis. Der Spielort: Fully. Die Halle: klein, tief und mit einer Atmosphäre, die man durchaus als „Hexenkessel“ bezeichnen darf – weniger wegen den Fans, vielmehr wegen der beengten Platzverhältnisse, die jeden zu hoch gespielten Ball sofort in akute Deckengefahr bringen. Die Ausgangslage war klar und versprach Spannung: HOW 2 benötigte rechnerisch lediglich zwei Satzgewinne, um sich den Meistertitel zu sichern. Fully hingegen musste das Spiel gewinnen – und durfte dabei höchstens einen Satz abgeben.

Mit dieser einfachen, aber durchaus nervenaufreibenden Mathematik im Gepäck reisten die Oberwalliser motiviert an. Die lange Autofahrt nahm man gerne in Kauf, schliesslich wollte man die harte Arbeit der gesamten Saison mit dem verdienten Pokal krönen. Dass bei Fully traditionell nie ganz klar ist, wer genau aufläuft, gehört ebenfalls zum Unterwalliser Erlebnis. Diesmal standen vor allem kräftige Angreifer auf der Gegenseite, die ihre Angriffe mit reichlich Power vortrugen.

 

Der Start verlief aus Sicht der Oberwalliser zunächst etwas zittrig. In einer Halle mit begrenzter Höhe müssen Annahmen besonders präzise kommen, entsprechend vorsichtig tastete sich HOW ins Spiel.

Der zur rechten Zeit wiedererstarkte Rücken des Passeurs lief bereits auf Hochtouren, doch das Zusammenspiel brauchte noch ein paar Ballwechsel, um sich einzupendeln. Auch im Aussenangriff war eine gewisse Nervosität zu spüren, einige Versuche wirkten eher ambitioniert als zwingend.

Fully nutzte diese Phase und setzte konsequent auf seinen Diagonalangreifer, der mit viel Wucht punktete. HOW geriet schnell ins Hintertreffen. Erst ein Timeout des Coaches und ein gezielter Wechsel brachten die notwendige Stabilität zurück.

Plötzlich kam mehr Druck über den Service, Fully geriet im Spielaufbau ins Stocken und die Oberwalliser kämpften sich Punkt für Punkt zurück. Am Ende stand ein knapper, aber enorm wichtiger 25:19-Satzgewinn. Damit war klar: Der Druck lag nun vollständig bei Fully.

 

Mit der gleichen Startaufstellung ging HOW in den zweiten Durchgang, und diesmal fand das Team deutlich besser in den Spielfluss. Die Services kamen druckvoller, die Verteidigung stand stabiler, und selbst einige der brachialen Angriffe der Gastgeber konnten nun erfolgreich entschärft werden.

So auch in einer Szene, die sinnbildlich für den Satz stand: Nach einer sensationellen Verteidigungsaktion wollte der Mittelblocker den Ball gleich selbst noch ideal zum Angriff vorbereiten. Mit etwas gar viel Enthusiasmus stellte er das Spielgerät allerdings so hoch auf, dass es beinahe einen persönlichen Besuch unter der Hallendecke eingelegt hätte. Am Einsatz mangelte es also definitiv nicht – höchstens an ein paar Zentimetern Feingefühl bei der Flughöhe.

So setzte sich HOW nach und nach etwas ab, während bei Fully langsam der Glaube an die grosse Wende zu bröckeln begann. Beim Stand von 24:19 war die Stimmung auf der Oberwalliser Seite bereits entsprechend gelöst.

Den Schlusspunkt setzte der Topscorer, der nach stabiler Annahme einen perfekt servierten Pass kompromisslos verwertete. Mit dem 25:19 war es offiziell: HOW 2 ist Meister!

 

Die Pflicht war getan, nun folgte die Kür. Der Passeursessel wurde vorsorglich neu besetzt, damit der Rücken des Stammzuspielers nach getaner Arbeit nicht unnötig strapaziert wurde. Der eingewechselte Spielmacher fügte sich nahtlos ins Spiel ein und zeigte sofort, dass er nicht nur als moralische Unterstützung angereist war. Bemerkenswert dabei: Für diesen Einsatz hatte er sogar ein Familienfest in seiner Heimat sausen lassen. Eine Entscheidung, die wohl nicht jeder ohne weiteres trifft – in der Mannschaft jedoch umso mehr Eindruck hinterliess. Wenn jemand für ein Spiel alles andere hintenanstellt, zeigt das ziemlich deutlich, was wahrer Teamgeist bedeutet.

HOW spielte nun befreit auf, während bei Fully der ganz grosse Ernst langsam wich. Die Gastgeber würden die Saison auf einem starken zweiten Platz abschliessen – ebenfalls ein Resultat, das sich sehen lassen kann.

Die Oberwalliser genossen die letzten Ballwechsel der Meisterschaft sichtlich und sicherten sich auch den dritten Satz mit 25:20. Damit war der Matchgewinn endgültig perfekt.

 

Mit diesem Sieg beendet HOW 2 eine beeindruckende Saison: zahlreiche klare Siege, ein knapper Fünf-Satz-Verlust und lediglich ein kleiner Ausrutscher – genug, um mit 43 Punkten souverän an der Tabellenspitze zu stehen und den Meistertitel erfolgreich zu verteidigen.

Nach dem Schlusspfiff folgte zunächst eine kurze, aber notwendige Stärkung in einem lokalen Fastfood-Etablissement – Spitzensport verlangt bekanntlich nach schneller Energiezufuhr. Anschliessend ging die Reise weiter nach Brig. Dort wurde der frisch gewonnene Titel noch kurz, aber intensiv gefeiert.

Doch lange Zeit zum Ausruhen bleibt nicht. In zwei Wochen wartet bereits die nächste grosse Aufgabe: der Cup-Halbfinal – und erneut heisst der Gegner Fully 2. Ausgerechnet jenes Team, das HOW im letzten Jahr im Halbfinal aus dem Wettbewerb warf.

Die Gelegenheit zur Revanche ist also perfekt. Nach einem letzten Training geht es am Sonntag, 29.03.2026 um 15:00 Uhr in der Turnhalle der Primarschule Glis los. Die Oberwalliser hoffen dabei auf zahlreiche Zuschauer – schliesslich schreibt sich eine mögliche Cupgeschichte mit Publikum immer ein wenig schöner.